Neue Begegung mit Monty Roberts

Neue Begegung mit Monty Roberts

Monty Roberts hat in unzähligen Shows auf der ganzen Welt gezeigt, wie man seiner Meinung nach mit Pferden umgehen kann. Er zeigt, wie man das Vertrauen der Pferde erlangt und wie man sie gewaltfrei erzieht. Mittlerweile ist der Amerikaner 84 Jahre alt. Zur Equitana 2019, der weltweit größten Messe für Reitsport, kommt er im vollem Galopp in die Arena, zeigt, was man als Mensch im Westernsattel alles tun kann. Wohl keiner der Zuschauer fragt sich noch, wie fit Monty Roberts noch ist. Sehr fit. Und er hat Neues zu erzählen.

In seinen Shows führt Monty Roberts eindrucksvoll vor, wie Pferde innerhalb kürzester Zeit über Planen schreiten, in Pferdehänger gehen – vorher alles unlösbare Aufgaben. Er zeigt, wie man besser mit Pferden arbeiten kann. Denn viele Menschen wissen oft nicht so genau, wie sie den Pferden vermitteln können, was sie tun sollen. Probleme, die oft über Jahre entstanden sind, löst Monty Roberts natürlich auch nicht in einer halben Stunde. Aber er will zeigen, was geht.

“Es gibt eine Menge Menschen auf der Welt, die nie ein Pferd angefaßt haben. Und ich bin nicht derjenige, der sagt, man muss mit Pferden in Kontakt sein, um ein glückliches Leben zu führen. Es ist einfach mein Weg, den ich gefunden habe. Es ist nur eine Möglichkeit, mit den Kreaturen der Schöpfung in Kontakt zu bleiben.”

Jahrtausende wurden Pferde dem menschlichen Willen unterworfen. Roberts aber möchte mit seiner Arbeit beweisen, dass diese Gewaltherrschaft des Menschen unnötig und ineffektiv ist. Und das liegt seiner Meinung daran, dass Pferde Fluchttiere sind, das genaue Gegenteil vom Menschen, die nämlich von Natur aus Raubtiere sind. Und die beiden sprechen nicht dieselbe Sprache.

Monty Roberts: “Menschen sind Raubtiere, ihr Instinkt ist es, mit Gewalt zu kontrollieren”

Der Mensch nutzt Macht, Zwang und Gewalt, um seine Ziele durchzusetzen. Denn das ist sein Instinkt. In der Show zeigt Monty Roberts, dass Vertrauen das Wichtigste zwischen Pferd und Mensch ist. Er setzt er auf gegenseitiges Vertrauen und gegenseitigen Respekt. Klingt schön und ist es auch. Und weil es funktioniert, arbeitet er nun auch mit traumatisierten Soldaten, die durch das, was sie erlebt haben, jegliches Vertrauen in sich und die Welt verloren haben. Einen hat er mit auf der Equitana in Deutschland.

Pferde bringen Vertrauen zurück

Es ist ein deutscher Soldat, der bei seiner Arbeit in Afghanistan Schreckliches erlebt hat. Es ist leise im Showring, als der Soldat mit einem Pferd arbeitet. Natürlich hat er einige Male vorher gelernt, was er zu tun hat, um dem Pferd zu zeigen, was er von ihm möchte. Aber er ist kein Pferdekenner. Und vor großem Publikum zu stehen, das erfordert für ihn eine große Überwindung. Pferde sind sensibel und spüren genau, wie es einem Menschen geht. Macht der Mensch alles richtig, schließt sich das Pferd dem Menschen an. Der Mensch muss aber Ruhe und Selbstsicherheit ausstrahlen, damit das Pferd freiwillig folgt. Denn an einer Leine ist das Pferd nicht. Der Soldat macht alles richtig. Er hat mit seinem Verhalten Einfluss auf das Pferd. Es ist ein ruhiger Auftritt. Das Pferd läuft frei im Roundpen und schließt sich dem Mann freiwillig an. Das Publikum spürt den magischen Moment zwischen Pferd und Mensch.

"Kritiker motivieren mich, nur mit Kritik wirst du besser"

Monty Roberts arbeitet seit vielen Jahren mit Veteranen, die traumatisiert aus Kriegsgebieten nach Hause kommen. Er spricht aber nicht oft darüber, denn er hat durchaus Kritiker. Psychologen, die meinen, aus ihrem Fachgebiet habe er sich heraus zu halten. Aber ihm ist das egal. Er geht nun an die Öffentlichkeit, weil er die Arbeit für wichtig hält. Durch die enge Zusammenarbeit mit Pferden konnte auch der deutsche Soldat wieder eine Bindung lernen, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruht. Dies lässt sich auch mit in den Alltag übertragen.

Was Gewalt mit Menschen macht, weiß Monty Roberts nur zu gut. Als Kind wurde er von seinem Vater geschlagen, hatte unzählige Knochenbrüche, bevor er 12 Jahre alt war. Und er weiß genau, wie schwer es ist, einen Weg aus einem Trauma zu finden. “Pferde haben mir beigebracht, niemals gewaltsam zu sein”, sagt Roberts. „Gewalt ist niemals eine gute Lösung“, das ist sicher einer der häufigsten seiner Sätze. Gewaltlosigkeit ist das Erfolgsprinzip seiner Arbeit mit Pferden. Er möchte überall in der Welt zeigen, wie wichtig Vertrauen, Freundschaft und Respekt sind. Dass er mit dieser Methode auch den Veteranen helfen kann, bedeutet Monty Roberts sehr viel.

Monty Roberts: “Die Arbeit mit den Veteranen berührt mich sehr stark”

“Wir alle sollten Dinge tun, die erfreulich sind, wir können in den Spiegel schauen und sagen: ‘Das ist gut’.”

„Ich habe viele Preise gewonnen“, sagt er, „jeden einzelnen davon gäbe ich weg, nur um einem einzigen Veteranen zu helfen.“ Monty Roberts hat hohe Ziele, sagt, er möchte die Welt ein Stückchen besser hinterlassen als er sie vorgefunden hat. Und der 84jährige hat noch viel vor. „Ich habe ein neues Knie. Der Arzt sagt, das hält 20 Jahre. Also: Ich mache ich weiter.“

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