Przewalski Pferde: Lebende Urzeit-Pferde

Przewalski Pferde: Lebende Urzeit-Pferde

Wer im Zoo vor einem echten, ausgewachsenen Tiger oder Nashorn steht, der sieht eine Besonderheit. Der Faszination dieser seltenen und vom Aussterben bedrohten Tiere kann sich wohl niemand entziehen. So mancher Besucher ahnt nicht, dass Przewalksi Pferde genauso spannend sind. Wer nicht genau hin sieht, könnte meinen, es seien die kleinen, stämmigen Fjord-Pferde, die bei Freizeitreitern beliebt sind, weil sie so freundlich und robust sind. Allerdings sieht der, der vor einem lebenden Przewalski Pferd steht, eine Rarität: Es sind die einzigen Pferde, die nichts mit den durch Menschen domestizierte Hauspferde zu tun haben. Der amerikanische Mustang oder halbwild lebende Rassen wie das Dülmener Pferd in Deutschland gelten zwar als Wildpferde – tatsächlich sind es aber verwilderte Hauspferde. Przewalski-Pferde sind die einzigen, die bis heute in reiner Form überlebt haben: Biologisch „Equus ferus przewalskii“.

Man sieht sie in Zoos und für die sind Przewalski Pferde sehr spannend. Oliver Mojecki ist Kurator für Huftiere im Kölner Zoo, und da unter anderem zuständig für Giraffen oder Nashörner, aber auch für vier Przewalski Pferde. “Sie sind das Paradebeispiel für Aufgaben, die wir uns gestellt haben. Es ist ein gutes Gefühl, dass der Zoo etwas bewirken kann, denn sonst wären diese Pferde ausgestorben.”

Früher waren Przewalski Pferde in Kasachstan, der Mongolei und Südsibirien verbreitet, aber sie wurden gejagt und wurden aus ihrem Lebensraum vertrieben. Die Bestände nahmen immer weiter ab, bis sie in den 1960er Jahren dann ausstarben. Nur in einigen zoologischen Gärten gab es kleine Herden und konnten dort vermehrt und erstmals in den 1990er Jahren wieder in den Steppen der Mongolei, im Land ihrer Vorfahren, ausgewildert werden.

 

Sie sind klein und stämmig, haben kurze Ohren, ein einfarbiges Fell mit dunkler Stehmähne und den charakteristischen Aalstrich. Ihr Fell ist gelblich-rötlich, an den Flanken heller und an manchen Stellen fast weiß.

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Sie sind die lebende Urform des Pferdes

Weltweit gibt es viele Institutionen, die sich um die Zucht kümmern. Der Prager Zoo führt das internationale Zuchtbuch, stellt Gruppen zusammen, um den optimalen Genpool aufrechtzuerhalten und entscheidet über den Austausch von Pferden. Laut den letzten Zahlen werden 851 Tiere im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm geführt, 65 Tiere wurden 2018 geboren.

Seit Jahrzehnten leben auch im Kölner Zoo Przewalski Pferde. Durch die erfolgreiche Nachzucht wurden viele wieder in die Freiheit entlassen. Und weil es sich eben nicht um Hauspferde, sondern um wilde Tiere handelt, von denen das ein oder andere auch wieder ausgewildert werden soll, halten die Pfleger im Kölner Zoo die Tiere auf Abstand. “Die Tierpfleger vermeiden Kontakt zu den Tieren”, sagt Oliver Mojecki. Er kümmert sich als Kurator auch um die fachliche Anleitung der Tierpfleger. “Wir füttern zum Beispiel nicht von Hand, wir gewöhnen sie nicht daran, dass Futter von Menschen kommt. Wir sorgen dafür, das wir mit ihnen so weit umgehen können, um sie medizinisch zu versorgen, mehr aber auch nicht. Wir halten sie auf Distanz.” Ihren natürlichen Fluchttrieb sollen die Pferde natürlich behalten, wenn sie ausgewildert werden. Tiere aus dem Kölner Zoo werden zum Beispiel im ungarischen Nationalpark Hortobágy angesiedelt. Frei lebend sollen sie dort die Fläche beweiden und dafür sorgen, dass die Steppe nicht verbuscht.

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Auch in Schweden gibt es eine Herde Przewalski Pferde: im Tierpark “Nordens Ark” im Westen des Landes leben sie, seit der Park 1989 öffnete. In Nordens Ark haben die Pferde in dem weitläufigen Gelände viel Platz. 2020 wurden dort zwei Fohlen geboren.

Als einzig überlebende Unterart der Wildpferde steht das Przewalski-Pferd als „gefährdet“ auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN.

Ihre Art konnte nur durch die koordinierten Anstrengungen von Zoologischen Gärten in aller Welt vor dem Aussterben bewahrt werden.

 

 

Mehrere hundert Przewalksi Pferde leben heute wieder in freier Wildbahn. Sie leben wild und frei und erhalten ihren Nachwuchs selbständig. Die Chancen, dass in Zukunft weitere Pferde von Köln dabei sein werden, stehen gut. Denn am 17. Juni 2020 kam ein neuer Hengst aus Prag zu den vier Stuten dazu.

Solche Projekte kosten sehr viel Zeit, Kraft und Geld“, sagt Kurator Oliver Mojecki. „Sie sind aber der Grund, warum wir unseren Job machen und lieben. Bildung, Forschung und Artenschutz gehören zu unseren Hauptaufgaben und sind gleichzeitig auch unsere Antreiber und Motivation, da wir so dem Artensterben und Biodiversivität-Verlust etwas entgegen setzen können.“

 

 

 

Woher sie ihren Namen haben

Benannt sind sie nach dem Forschungsreisenden Nikolai Michailowitsch Przewalski, Er wurde auf die Pferde aufmerksam und überließ der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg Häute und Skelettteile. 1881 erkannte der Konservator der Akademie, Iwan Semjonowitsch Poliakov, dass das zentralasiatische Wildpferd sich vom europäischen unterschied, und nannte es Equus przewalskii.

 

Unterschied zu unseren Hauspferden

DNA von Hauspferd und Przewalski-Pferd unterscheidet sich. Dennoch gehören beide derselben zoologischen Art an und können sich durchaus paaren. Auch der Nachwuchs ist dann fortpflanzungsfähig.

Zuchtbuch

1959 veröffentlichte Erna Mohr das Zuchtbuch „The International Studbook für the Przewalski’s Horse“. Darin dokumentierte sie alle 238 Przewalski Pferde, die zwischen 1899 und 1958 in Zoos gehalten wurden. Der Zoo in Prag aktualisiert das Zuchtbuch jedes Jahr.

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